Fortbildung im Bereich Legal Tech – sinnvoll und unerlässlich?

11. Januar 2024
Wendy Böker

Dass die Digitalisierung das juristische Arbeiten in den nächsten Jahren nachhaltig verändern wird, ist keine neue Meldung für 2024. Big Data Projekte, Künstliche Intelligenz, Chat Bots, Smart Contracts – dies sind die Begriffe, die vor allem im Jahr 2023 in aller Munde waren und die Medien beherrschten, wenn man sich mit dem Begriff Legal Tech auseinandersetzen will und wollte.

Eine modern aufgestellte IT ermöglicht eine immer schnellere, einfachere, standortunabhängige Kommunikation mit Mandanten, Gerichten und Behörden. Elektronische Postfächer wie das beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach), das EGVP- oder DE-Justiz-Postfach (elektronisches Postfach für Gerichte und Gerichtsvollzieher), das beBPo (elektronisches Behördenpostfach) oder neu das eBO (elektronisches Bürgerpostfach) gehören zum Alltag in der juristischen Tätigkeit.

Hinzu kommt, dass intelligente Kanzleisoftware, Mandanten-Onboarding-Software etc. die juristische tägliche Arbeit erleichtern. Riesige Datenmengen in Sekundenschnelle juristisch aufzuarbeiten, stellt heutzutage keine Herausforderung mehr dar.

Allerdings muss man lernen, wie all diese Chatbots, Suchmaschinen, Software zu bedienen und zu nutzen sind, um den größtmöglichen geschäftlichen Vorteil in Kanzleien zu nutzen. Fort- und Weiterbildungen im Bereich Legal Tech können hier unterstützen, allerdings ist das Angebot vielfältig.

Viele Universitäten bieten mittlerweile Studiengänge für einen LL.M. Legal Tech an, z.B. in Regensburg, Passau oder Potsdam.

Die Bucerius Law School bietet u.a. Online-Kurse zum Thema „Künstliche Intelligenz für Jurist:innen“ an, mit denen Kanzleien, Notariat und Rechtsabteilungen mit dem nötigen Wissen ausgestattet werden sollen, um KI für die eigene Arbeit einsetzen zu können.

Die BeckAkademie Seminare bietet Ihnen die Möglichkeit eines Sommerlehrgangs an. Auch hier sollen die notwendigen Werkzeuge für den Umgang mit KI und Legal Tech vermittelt werden.

Diese Studien- und Fortbildungsgänge richten sich allerdings in erster Linie an bereits fertige oder angehende Juristen, um hier nur einige Anbieter zu nennen.

In Kooperation mit der FOM-Hochschule bietet Soldan einen Zertifikatskurs „Legal Tech Management“ an. Anders als bei vielen anderen Anbietern richtet sich dieser Kurs auch an Rechts- oder Notarfachwirte, Quereinsteiger ohne Jura-Abschluss und insbesondere an FOM-Studierende, die Prozesse der Digitalisierung in ihren Kanzleien vorantreiben oder begleiten möchten.

In einem Interview berichtet der Rechtsanwalt und Hochschuldozent Oliver Schwartz von seinen Erfahrungen und der Notwendigkeit, sich im Legal Tech Bereich fortzubilden.  

Eine Fortbildung im Bereich Legal Tech sei sinnvoll, „da sich viele Kanzleien aber auch Rechtsabteilungen mit der Digitalisierung ihrer Prozesse immer noch schwertun und dabei oft lediglich auf externe Beratung angewiesen sind." Da es selten bis gar nicht helfe, hier nur „irgendeine Software“ anzuschaffen, sei es ratsam, dieses Know-How zu internalisieren und dabei die ganze Dimension zu sehen

"Vor der Technologieauswahl stehen eine Reihe weiterer Themen, die sowohl in der Juristen- als auch in der ReNo- und Rechtsfachwirteausbildung zu kurz kommen. Anwältinnen und Anwälte bilden sich zu dem Thema in einzelnen Fortbildungsveranstaltungen oder Kongressen fort, - soweit sie das Thema überhaupt interessiert." so Schwartz.

Seiner Ansicht nach würden dabei die Themen aber oft nur schlaglichtartig vermittelt, um generelle Sensibilität für das Thema zu schaffen. Es sei daher für Juristen und deren Mitarbeiter vorteilhaft, wenn sie sich für eine spezielle Fortbildung zum Thema entscheiden, die das wesentliche Spektrum der Themen beinhaltet.

„Neben Grundlagen zum Thema Legal Tech selbst, d.h. Ursprung, Entwicklung, Begrifflichkeit usw. gehöre nach seinem Dafürhalten auch eine Basis von IT- und Softwarekenntnissen dazu. Zudem sollten Kenntnisse zur Analyse von Geschäftsprozessen und dem Anforderungsmanagement - oder auch „Requirements Engineering“ hinzukommen. Ergänzend sind Grundlagen des agilen Arbeitens im Projekt und des Legal Design Thinking, einer besonderen Ausprägung des Design Thinking-Ansatzes wichtig. Mit diesem Wissen als Rüstzeug helfe es dann, in der Fortbildung auch schließlich verschiedene Lösungen kennen zu lernen, um eine fundierte und sinnvolle Technologieauswahl durchzuspielen. Auch ein unternehmerischer „Blick über den Tellerrand“ auf existierende Legal Tech Geschäftsmodelle sollten Bestandteil einer solchen Fortbildung sein, um auch die strategische Dimension der Geschäftsfeldentwicklung in diesem Feld zu verinnerlichen“, erläuterte der Dozent.

Wichtig sei seines Erachtens auch, dass man nach einer solchen Fortbildung konkretes Wissen und Werkzeuge hat, um der Digitalisierung des Rechtsmarktes nicht nur passiv zu begegnen, sondern sie aktiv mit gestalten zu können. „Wissen, was die Kanzlei weiß. Hierher gehören Informationsbeschaffung, Wissensinseln bilden, Fälle für weitere Nutzung aufbereiten usw.“.

Auf die Frage, welchen beruflichen Nutzen man von einer solchen Fortbildung habe, antwortete Schwartz: „Die in einer solchen Fortbildung erworbenen Kenntnisse sind am Arbeitsmarkt nicht nur gern gesehen, sondern teilweise auch verzweifelt gesucht. Kanzleien suchen teilweise junge Anwaltskollegen, die sich dem Technik-Thema verschreiben wollen und das Thema in der Kanzlei vorantreiben. Dies gilt ebenso für die Fachangestellten, entsprechende Kenntnisse werden für die Kanzlei schnell unternehmenskritisch und Mitarbeiter, die solche Themen treiben, haben gute Chancen für personelle Entwicklung in der Kanzlei. Und nicht zuletzt ein gutes Argument bei Gehaltsverhandlungen.“

Zusammenfassend kann man sagen, dass es Kanzleien mit ausgebildeten „Legal Engineers“ in Zukunft einfacher haben werden, sich in der neuen digitalen juristischen Welt zurecht zu finden und vor allem, Ihren Platz bei Mandanten zu behaupten.

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